mit Prof. Dr. Michael Sommer (Universität Oldenburg) - Was sich Gesellschaften unter Gerechtigkeit vorstellen, ist kein zeitloses Gut, sondern das Ergebnis harter intellektueller Arbeit und kontroverser Debatten. Der Vortrag analysiert das Spannungsfeld zwischen Platons Entwurf einer objektiven Ordnung, in der das Individuum funktionaler Teil des Ganzen ist, und dem intersubjektiven Ausgleich, wie ihn Aristoteles entwirft. Während Griechenland die ethisch-intellektuellen Fundamente legte, vollzog Rom die entscheidende Wende zur Pragmatisierung von Gerechtigkeit: Cicero und die römischen Juristen transformierten philosophische Spekulation in das Naturrecht und die bis heute gültige Formel der Rechtssicherheit (suum cuique). Wir werden sehen, wie aus utopischen Idealen jenes robuste Instrumentarium entstand, das staatliche Institutionen gegen Willkür zu sichern vermag
Organisator: Institut für Geschichte