Michael Endes Bücher gehören seit den 1960er Jahren zu den Bestsellern der jungen Bundesrepublik. Bis heute finden seine Texte große Resonanz, wie die Auflagenstärke und die zahlreichen Adaptionen, von Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (1960) bis zu Die unendliche Geschichte (1979), belegen.
Seit dem überwältigenden Erfolg der Unendlichen Geschichte inszenierte sich Ende verstärkt auch als öffentlicher Intellektueller: 1982 diskutierte er mit Erhard Eppler und Hanne Tächl, 1985 mit Joseph Beuys über Phantasie, Kultur und Politik, über zeitgemäße Utopien und die positive Gestaltung der Welt durch Kunstpolitik. Immer wieder bezog sich Ende in solchen und weiteren Gesprächen auf die Romantik. In einem Interview mit Jörg Krichbaum betonte er: „Und ich wär’ ja gar nicht vorhanden z.B. ohne Novalis, ohne Brentano oder Tieck, das sind ja meine geistigen Väter.“ Dezidiert stellte sich der Autor mit solchen Aussagen in eine Traditionslinie mit der Epoche der Romantik; insbesondere Novalis, dessen Hymnen an die Nacht zu seiner Kinderlektüre gehört habe, wurde von ihm als wichtiger Einfluss benannt.
Trotz expliziter Romantikanleihen in seinen Texten bleibt Endes Romantiknachfolge jedoch ambivalent. Dies räumte der Autor selbst ein, wenn er im Gespräch mit Beuys darauf hinwies, dass nach der Moderne kein bruchloser Anschluss an literarische Traditionen mehr möglich sei.
