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Prof. Dr. Matthias Bormuth: Grauen vor Deutschland – Manfred Hausmann im Spiegel Thomas Manns

Der Schriftsteller Manfred Hausmann war seit 1940 ein enger Vertrauter, bald auch Geliebter von Edith Ruß. Er gehört zur Inneren Emigration, war in seinem Denken religiös motiviert und vor und nach der NS-Zeit sozialdemokratisch tätig. Wie Thomas Mann war er Autor des jüdischen S. Fischer Verlags. Der Vortrag untersucht seine Einstellung gegenüber Thomas Mann, der 1933 Deutschland hatte verlassen müssen und 1938 endgültig ins amerikanische Exil ging. Von dort aus lancierte er die politischen Reden „Deutsche Hörer“ von 1940 bis 1945 und veröffentlichte nach Kriegsende entsprechend kritisch Artikel und Interviews über das Verhalten der Deutschen im Nationalsozialismus. Als Thomas Mann sich 1947 weigerte, auf seiner Europa-Reise ins von den Alliierten besetzte Deutschland zu reisen, gab Hausmann seine stillen Vorbehalte auf und artikulierte laut seine Kritik an dem exilierten Kollegen. Daraus entwickelte sich ein eigenes, auch für das Verständnis von Edith Ruß aufschlußreiches Kapitel in der „Kontroverse“ zwischen „Innerer Emigration“ und „Exilanten“, die sich um den Autor von Doktor Faustus seit dem Kriegsende entzündet hatte. Auch für heutige Diskussionen ist besonders die Frage relevant, ob man moralisches Verhalten nur zurechnen kann, wenn man selbst an historischen Geschenissen beteiligt war, wie Hausmann meinte, oder ob man auch im räumlichen oder zeitlichen Abstand zu ihnen verstehen und urteilen kann, sowie es später auch Hannah Arendt in Verbindung mit ihrem Lehrer Karl Jaspers forderte, der wie sie in der Zeitschrift Die Wandlung scharf die Frage nach der deutschen Schuld stellte.   Prof. Dr. Matthias Bormuth ist Professor für Vergleichende Ideengeschichte am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky Universität. Er leitet das Karl Jaspers-Haus und die „Forschungsstelle Hannah Arendt-Zentrum“. Jüngste Publikationen: Die geistige Situation um 1945 – Karl Jaspers und Hannah Arendt (Wallstein 2023), Die Kunst des Fragens – Marginalien und Porträts (Wallstein 2024),  Trapezkünstler. Der Fall Kafka (Berenberg 2024) und Von der Unheimlichkeit der Welt. Denken mit Hannah Arendt (Matthes und Seitz 2025)  Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Karl Jaspers-Gesellschaft

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Termine


  • 20.02.2026 ab 19:00 bis 21:00 Uhr

Veranstalter


Haus für Medienkunst Oldenburg
Katharinenstraße 23
26121 Oldenburg
0441/235-3208
info@hausmedienkunst.de
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Eintritt


  • frei
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