Plattdeutsch wird als Minderheitensprache bis heute überwiegend mündlich verwendet, ist jedoch stets auch Literatursprache gewesen. Wie viele Minderheitensprachen steht es unter dem starken Einfluss der Amtssprachen. Plattdeutsche Autorinnen und Autoren stehen deshalb vor der Herausforderung, trotz dieser Prägung eine eigenständige Perspektive der Minderheitensprache überzeugend zu vermitteln.
ie Sprache, die heute von ca. 2 Millionen Menschen in Norddeutschland gesprochen wird, wurde nach dem Wechsel von der mittelniederdeutschen zur hochdeutschen Schriftsprache seit dem 16. Jahrhundert ganz überwiegend nur als gesprochene Sprache verwendet. Sie hat dementsprechend zunächst keine eigene Schriftkultur ausgebildet. Das bedeutete auch, dass das Schreiben der Regionalsprache nicht in der Schule gelernt werden konnte. Alle Menschen, die etwas auf Plattdeutsch zu Papier bringen wollten, mussten diese Verschriftlichung der Sprache nach eigenem Gutdünken bewerkstelligen - und orientiert an der hochdeutschen Schriftlichkeit und deren literarischen Vorbildern.
Dr. Wilko Lücht, Jahrgang 1982, Promotion in klassischer Philologie, ist seit 2021 Bibliothekar an der Landesbibliothek Oldenburg und dort für den Bereich Regionalliteratur zuständig. Seit 2010 veröffentlicht er in verschiedenen Tageszeitungen Nordwestdeutschlands regelmäßig Beiträge in plattdeutscher Sprache.
