Rund neun von zehn Start-ups scheitern – so lautet eine oft zitierte Faustregel. Doch was aus betriebswirtschaftlicher Sicht wie Wertvernichtung aussieht, ist aus der Perspektive der Ökosystemforschung oft das Gegenteil: Die Erfahrung, das Kapital und die Netzwerke gescheiterter (und erfolgreich ausgestiegener) Gründer:innen fließen zurück in die Region – als Serial Entrepreneurs, Business Angels, Mentor:innen oder Führungskräfte im Mittelstand. Die Forschung nennt diesen Kreislauf Entrepreneurial Recycling.
Der Vortrag führt in das Konzept ein, das maßgeblich auf Mason & Harrison (2006) zurückgeht, und verbindet es mit aktuellen Forschungsergebnissen – etwa zum Phänomen des „Boomeranging“, bei dem Gründer:innen zwischen Anstellung und eigener Gründung pendeln und dabei kontinuierlich Wissen ins Ökosystem zurücktragen.
Im Zentrum steht dabei eine vom Dozenten durchgeführte empirische Untersuchung zur Rolle von Business Angel Netzwerken (BAN) in der Region Bremen/Oldenburg: BANs wirken nicht nur als Kapitalgeber, sondern als institutionelle Katalysatoren, die Talente binden, Standorte sichtbar machen und dafür sorgen, dass unternehmerisches Scheitern nicht zum Ausschluss aus dem Ökosystem führt – sondern zum Sprungbrett für den nächsten Anlauf. Interviewaussagen aus der Region Bremen/Oldenburg illustrieren, wie diese Mechanismen konkret funktionieren.
Der Vortrag richtet sich an alle, die sich für Entrepreneurship, Regionalökonomie und Innovationsökosysteme interessieren – und an alle, die verstehen wollen, warum eine gesunde Gründungslandschaft auch eine gesunde Scheiterkultur braucht.