Carmine Speranza

09.07.2020 - 30.08.2020

Carmine Speranza Bilder stehen plötzlich vor uns- so nah, als müssten wir mit der Nasenspitze daran stoßen. Zu
einem guten Teil liegt es darin begründet, dass er seine Bilder ganz in der Fläche baut und starke Formen in der
Vierung reimt. Ihre Farben sind oft kräftig, immer klar, schwimmende Übergänge der Töne gibt es kaum. Das
verleiht den Bildern als ihre jähe, auftrumpfende Geschlossenheit. So abstrakt sie auch gehalten sind, locken sie
den Betrachter doch dazu, einer Bewegung zu folgen- vor und zurück, in das Bild hinein und wieder heraus.
Körper scheinen sich zu bilden, Räume sich zu öffnen. dennoch findet sich nirgendwo eine so spezifische Form,
dass sie sich eindeutig mit Namen belegen ließe.
Dabei ist nicht Beliebigkeit, auf die man in Speranzas Bildern stößt. Es ist ein beinah illusionistisches
Weben, dem sich die Formen anfügen müssen. Ein weben, das im Malen bei den Mitteln des Bildes bleibt und
sie dennoch bis an die grenze der Tiefen- und Körperillusion ausspielt.
Ein blauer Streifen über einer schwarzen Fläche, in der viele formen rütteln, wirkt himmelweit und trotzdem
lässt sich nicht sagen was wir sehen. Die Formen scheinen räumlich davor- leuchtend, aber nicht beleuchtet. Es ist
eine archaische Welt vor dem Wort, aber mit allem Sinnenzauber, der uns die Realität köstlich macht.
Bodo Rott