Nachts geht Carsten Heinecke vom Landesmuseum für Natur und Mensch hin und wieder mit seinem Leuchtturm ins Feld. Die verschiedenen Glühbirnen locken alle möglichen Nachtfalter an. Mehrere Stunden steht Carsten Heinecke neben den Leuchtschirm und notiert sich sämtliche Arten.
Das Foto entstand im Rahmen des Fotoprojektes echt.Oldenburg., © Tamina-Florentine Zuch

Tamina-Florentine Zuch

Tamina-Florentine Zuch (geb. 1990 in Stuttgart) schloss 2017 ihr Studium in Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover ab. Die heute in Hamburg lebende Fotografin legt den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Porträt- und Reportage-Fotografie. Für ihre Reportage über eine Zugreise in Indien erhielt sie 2016 den Zeiss Photography Award. Ein Jahr lang war sie anschließend als Foto-Stipendiatin in der Redaktion des Magazins Stern tätig. In diesem Sommer veröffentlicht sie außerdem einen Bildband über eine Zugreise durch die USA.

http://tamina-florentine.com

Taminas Projekidee

Tamina-Florentine Zuch hat sich in Oldenburg für eine Mischung aus Landschaftsaufnahmen und Portraits von Wissenschaftlern entschieden. Der rote Faden ihrer Fotoserie ist der Insektenschutz. Für das Projekt echt.Oldenburg hat sie den Präparator Kay Furhmann  vom Landesmuseum für Natur und Mensch und den Diplombiologen Carsten Heinecke drei Tage begleitet und ihre Arbeit dokumentiert.

Fotografen-Interview

Über Kamelzüchter, Kaviarfischer und Kadetten

Sie gilt als Ausnahmetalent: Die 28-jährige Fotografin Tamina-Florentine Zuch wurde mehrfach – auch international – ausgezeichnet, unter anderem 2017 mit dem „stern Junge Fotografie“-Stipendium, und ist in der ganzen Welt herumgekommen. Mareike Lange von der Agentur Mediavanti hat sie interviewt und in ihr eine aufgeschlossene, reflektierte und sympathisch uneitle Gesprächspartnerin gefunden.

Tamina, was ist in den vergangenen zwei Jahre beruflich bei dir passiert?

Tamina-Florentine Zuch: Viel! Ich bin als blinde Passagierin mit dem Güterzug quer durch Amerika gereist und habe meine Eindrücke in einem Buch festgehalten. Vor Kurzem war ich in Russland mit der Korrespondentin Bettina Sengling, um mit ihr das Land vor der Fußball-WM zu portraitieren. Unsere Reise verlief entlang der Wolga und hat uns unter anderem zu Kamelzüchtern, Kaviarfischern und ins Kloster geführt.

Waren die Menschen vor Ort dir aufgeschlossen gegenüber?

Zuch: Da wir uns nicht verbal verständigen konnten, war die Kamera sozusagen unsere Sprache. Ich war überrascht, wir kritisch sie sich über Putin und seine Politik geäußert haben, sogar Kadetten, die an einer staatlich geförderten Schule lernen. Die Bevölkerung hat sich uns sehr offen gezeigt – wir sind bei Fischern auf ihren Kuttern mitgereist und haben bei russischen Heiden gewohnt.

Was ist dir wichtig beim Fotografieren?

Zuch: Als Fotograf sollte man sich selbst zurücknehmen und ehrlich sein in seiner Intention. Wenn ich so nahe dran bin, dass Menschen mir alles von sich zeigen, dann habe ich eine enorme Verantwortung. Sie sollten nie das Gefühl haben, ausgenutzt zu werden. Deshalb rate ich Fotografen, die in der Ausbildung sind, die Technik hintenanzustellen, sogar die Kamera erst einmal wegzulegen und sich ganz auf den Menschen einzulassen.

Du bist schon weit gereist und hast viele große Stationen hinter dir – warum hast du dich dafür entschieden, bei einem Fotoprojekt in Oldenburg teilzunehmen?

Zuch: Ich gebe zu: Am Anfang hatte ich Bedenken, dass es strenge Vorgaben geben würde. Dann hätte ich nicht mitgemacht. Aber es gab eine klare Offenheit für meinen Vorschlag. Das fand ich gut und habe zugesagt.
Kannst du die Stadt in Stichworten beschreiben?
Zuch: Gemütlich, freundlich, klein und vor allem zufrieden.

Dieses Interview wurde durchgeführt von Mareike Lange.