Lieblingsort von Luise, 4 Jahre. Das Foto entstand im Rahmen des Fotoprojektes echt.Oldenburg., © Insa Hagemann / OTM

Insa Hagemann

Insa Hagemann (geb. 1983) lebt und arbeitet in Hannover und Düsseldorf. Nach ihrer Ausbildung als Fotografin studierte sie Fotografie an der Hochschule Hannover. Während des Studiums absolvierte sie u.a. Praktika bei der Fotoagentur VISUM und in der Bildredaktion des stern. Ihr Studium schloss sie 2013 ab. Neben Auftragsarbeiten für Zeitungen, Magazine und Unternehmen befasst sie sich regelmäßig mit freien Langzeitprojekten. Viele Arbeiten wurden bereits in Ausstellungen und auf Festivals gezeigt und mehrfach ausgezeichnet (u.a. Unicef Foto des Jahres, Deutscher Preis für Wissenschaftsfotografie).

www.insahagemann.de

Insas Projektidee

Insa Hagemann stellt für "Echt Oldenburg" Oldenburger und ihre Lieblingsplätze fotografisch gegenüber. Mit dem Fotoprojekt hat sie Stadt und Einwohner ganz persönlich kennengelernt.

Fotografen-Interview

Im Zickzack durch Oldenburg – Insa Hagemann auf Schnitzeljagd

Sie lebt in Hannover und Düsseldorf, arbeitet aber auf dem ganzen Globus. Von den USA über die Philippinen hat es Insa Hagemann jetzt nach Oldenburg verschlagen. Für das Fotoprojekt der Oldenburger Tourismus und Marketing GmbH fängt die Berufsfotografin ein, was für Sie echt.Oldenburg ist.

Moin Insa, du warst jetzt schon zwei Tage für das echt.Oldenburg-Projekt unterwegs – wie war das denn bisher?

Insa Hagemann: Ich bin auf der Suche nach Oldenburgern und ihren Lieblingsplätzen. Ganz oft haben mir die Leute ihre liebsten Orte verraten. Ursprünglich dachte ich, es würde einfach werden sie zu finden. Aber wenn jemand sagt: „Die dritte Bank hinten links, das ist mein Ort!“ – puh, da kommt man ganz schön ins Schwitzen. Besonders, wenn man die Stadt gerade erst kennenlernt.

Als du in Oldenburg angekommen bist, hast du dir direkt deine Kamera geschnappt?

Hagemann: Erstmal: Fahrrad holen! (lacht) Und dann bin ich einfach losgezogen. Zuerst habe ich mir einen Stadtplan gekauft, denn ich dachte, ich könnte die Lieblingsorte der Oldenburger ganz systematisch abfahren. Aber in der Praxis funktioniert das tatsächlich nicht. Manchmal braucht’s eine Genehmigung oder man ist von Wetter oder Öffnungszeiten abhängig. Am Ende des Tages bedeutet das: im Zickzack fahren.

Beruflich bist du in der ganzen Welt unterwegs. Wenn du dann abschalten und einfach Urlaub haben willst – klappt das?

Hagemann: Arbeit und Freizeit, das kann man nicht wirklich unterscheiden. Auf unserer letzten Reise – da war sogar mein kleiner Sohn dabei – haben wir in Italien auf dem größten Campingplatz Europas geschlafen. Natürlich ist das auch eine spannende Foto-Geschichte. Mein Partner ist auch Fotograf und wir haben aus dem Campingplatz-Urlaub direkt eine Story für das FAZ-Magazin fotografiert. Sobald man die Kamera dabei hat, wird eben auch fotografiert. Man muss sie schon bewusst zu Hause lassen, wenn man echte Freizeit will.

Hattest du vorher schon eine Idee von Oldenburg?

Hagemann: Ich war im Rahmen der World-Press-Photo-Ausstellung in diesem Jahr schon einmal hier – aber so richtig auf dem Schirm hatte ich Oldenburg vorher nie. Aber die Stadt gefällt mir, sie ist schön ruhig und scheint trotzdem viel zu bieten zu haben.

Hast du denn schon einen eigenen Lieblingsort?

Hagemann: Mein Hotel! (lacht) Für mich als Mama eines Kleinkinds ist das Ausschlafen und die Ruhe dort gerade wunderbar. Ansonsten bin ich hier gern am Wasser unterwegs. Die Mühlenhunte gefällt mir sehr, vielleicht auch, weil ich zu einer tollen Abendstimmung dort war. Auch die Eisenbahnbrücke fasziniert mich, diese Kombination aus Wasser und Industrie. Als Kind wurde ich früher schon immer zu solchen Orten gebracht, denn mein Vater war auch totaler Eisenbahnfan.
 
Was gefällt die an diesem Fotoprojekt besonders gut?

Hagemann: Mir macht diese Schnitzeljagd total Spaß. Die permanente Frage an mich selbst: Finde ich den Platz, das Gebäude, den Baum, den mir die Leute beschreiben? In Los Angeles habe ich einmal ein ähnliches Projekt gehabt. Dort habe ich „Boring Places“ fotografiert – todlangweilige Orte wie Sitzbänke, an denen kuriose Dinge oder Promi-Skandale passiert sind.
 
Wie fotografierst du am liebsten?

Hagemann: Jetzt gerade bin ich mit einer Mittelformatkamera unterwegs und teste sie für mich aus. Noch fehlt mir da die Routine, aber ich nutze dieses Projekt, um sie kennenzulernen. Im regulären Auftragsgeschäft würde ich diese Kamera nicht nutzen – denn ich bin viel langsamer als mit meiner üblichen Verdächtigen. Durch das Projekt habe ich aber so viele Freiräume, dass ich einfach alles ausprobieren kann. Das macht unheimlich viel Spaß.

Warst du aufgeregt oder entspannt, als deine Reise nach Oldenburg näher rückte?

Hagemann: Normalerweise ist es bei mir so: Wenn ich für ein Projekt mit sehr klarem Briefing unterwegs bin, bin ich sehr entspannt – denn meist ist alles geplant oder ich muss vorher Termine organisieren. Das Thema, das ich jetzt für echt.Oldenburg fotografiere ist da ganz anders. Ich bin vollkommen darauf angewiesen, dass ich hier Menschen begegne, die Lust haben, mit mir zu arbeiten. Alles war offen – und bisher habe ich sehr viele freundliche Leute und ihre Lieblingsorte kennenlernen dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch, Insa!